casa ir-real
Malerei von Hannelore Fehse, Rosemarie von Funcke, Margaritta Wiederholt
9. Oktober - 1. November 2009
KunstTurm, Flintcenter, Prof.-Max-Lange-Platz 1, Bad Tölz
Vernissage: Freitag 9. Oktober 2009 um 19 Uhr
Laudatio : Heiner-Matthias Priesnitz
Finissage: 1. November 2009 um 11 Uhr mit Lesung:
Die Schriftstellerin Ursula Haas liest eine poetische Antwort: "Das Haus hat ein Gesicht"
"Aussicht auf die Rücksicht und Rücksicht auf die Aussicht"
( Eine Stadt, die Geschichte erzählt - hrsg. von Beat Toniolo, Schaffhausen 2007 )
Öffnungszeiten: Mo - Do 8 - 16 Uhr, Fr 8 - 12 Uhr, Sa + So 15 - 17 Uhr
Zu allen Zeiten und in allen Kulturen war das HAUS mehr als eine bloße „Behausung“. Häuser und Siedlungen spiegeln die kulturellen Besonderheiten eines Volks wider. Sie geben Aufschluss über klimatische Einflüsse, denen die Bewohner jahrhundertelang ausgesetzt waren, und sie präsentieren stolz die handwerklichen und industriellen Fertigkeiten einer Nation. Gleichwohl verraten sie auch Innerseelisches, das spirituelle Sein der Menschen und ihre Visionen.
Casas: Skulpturale Hauslandschaften der Rosemarie von Funcke
Die Malerin Rosemarie von Funcke setzt sich in ihren zum Teil kleinformatigen Öl- oder Acrylbildern (Leinwand) /Mischtechnik mit Pigmenten sowie kleineren Gouachen mit der jüngeren Architektur auf den Kanarischen Inseln auseinander. Dabei wählt sie Elemente mit skulpturaler Präsenz, die durch ihren Standort, ihre Farbe, Form oder ihr Erscheinungsbild fesseln. Typisch sind Massivbauten mit geschlossenen Wandflächen, die nach außen nur einzelne Öffnungen haben. „Diese introvertierte Bauweise ist auf den Kanarischen Inseln klimatisch bedingt“, berichtet Rosemarie von Funke. „Man schottet sich gegenüber Sonne und Witterung ab. Das Leben ist nach innen gerichtet.“. So gesehen sind „Casas“ Hausskulpturen, die von den Spannungen zwischen Öffnungen und geschlossenen Flächen leben, von dem Wechsel zwischen Großform und Kleinform. Die Häuser sind eingebettet in eine künstliche, skulpturale Landschaft, in der bauliche Formen und Naturformen eine spannungsvolle Beziehung eingehen. Bezeichnend ist der fehlende Maßstab. Auch bei der Auseinandersetzung mit Innenräumen wie Fenstern oder Türen ist die Arbeitsweise die gleiche, nämlich Addition von Flächen und Farben, Linien, Großformen und Kleinformen.
Archaische SeelenbeHAUSungen von Margaritta Wiederholt
Die Keramikerin Margaritta Wiederholt präsentiert abstrakte, archaisch anmutende Hausskulpturen aus Ton, die dann gebrannt werden. In ihren Werken thematisiert sie vor allem die mythischen und innerseelischen Aspekte des Hauses – das Haus als unsere dritte Haut. „Häuser haben für mich eine archaisch- existenzielle Bedeutung. Sie versinnbildlichen ein Sich-Einrichten in der Welt – eine Art Seelenbehausung“, berichtet Margaritta Wiederholt. Das sinnliche Material Ton (Erde) weist wie alle menschlichen Erzeugnisse Spuren von Vergänglichkeit auf. Ihre Häuser sind dem „Zeitfraß“ anheim gefallen, zeigen Rissen, Schründe und Flecken. Die Häuser von Margaritta Wiederholt sind durchs Feuer gegangen – nicht nur das reale Feuer des Brandofens, sondern auch durch das ir-reale innere Seelenfeuer. So wird der Ton zum „gebrannten (inneren) Kind“.
Ruhe und Zeitlosigkeit: Die Alb-Häuser von Hannelore Fehse
Hannelore Fehse malt Portraits von Ortschaften, zumeist Dörfern der Schwäbischen Alb. Allen gemein, sagt sie, ist ihre ästhetische Klarheit, die zweckmäßige Einfachheit, eine stolze, selbstbewusste Bescheidenheit.Wie bei Giorgio Morandi spielen Ruhe und Zeitlosigkeit
eine Rolle, die ewige Wiederkehr des immer Gleichen, das doch nie dasselbe ist.
Bei Hannelore Fehse ist dies die Idee des Hauses, der Siedlung. Die Künstlerin macht dabei das jeweils Besondere zu ihrem Thema wie auch das Allgemeine. Die Bilder halten die Zeit an, sind frei von allem Erzählerischen und finden die Ruhe einer meditativen Metaphysik. Alle Arbeiten in Öl auf Leinwand.



